Allgemein

Exclusives Interview mit Gerhard Eder- Backpacker-Wilderness – Survival & Bushcraft

Pure EDC: Hi Gerhard, deine Leidenschaft ist der Rucksack und die Wildnis. Wie kam es bei dir dazu?

Die Leidenschaft für dieses Hobby, entwickelte ich bereits in meiner Kindheit. Ich bin als kleiner Junge sofort nach der Schule alleine in den Wäldern abgetaucht, auch jede freie Minute in den Ferien oder WE nutzte ich dafür. Mich fasziniert die Flora und Fauna, ich sehe es als Teil von mir bzw. bin ich ein Teil der Natur und das spüre ich sehr deutlich. Im Laufe meiner Jugend vertiefte ich diese Leidenschaft und habe mich mehr und mehr in den tiefen Wäldern verloren. Die Einsamkeit, Stille, Schönheit der Natur und die Bedeutungslosigkeit von Zeitdruck sowie Tun und Muss, faszinieren mich jedesmal aufs Neue. In unserer heutigen Gesellschaft wo sich alles nur um materielle Dinge sowie Macht und Geld drehen, fühle ich mich nicht sehr wohl und ziehe mich bewusst immer mehr zurück in die Einsamkeit der Natur. Ich sehe mich mehr als introvertierten Typ und bin über die Entwicklung unserer Welt besorgt. Hass, Neid, Gewalt, Kriege und falsche Menschen mit teils psychopathischen Zügen werden meiner Meinung nach immer mehr. Diese Entwicklung macht mich traurig und freue mich daher wirklich sehr, wenn ein fremder Mensch einfach mal beim Einkaufen oder auf der Straße ein lächeln im Gesicht hat und nett ist zu seinen Mitmenschen. Das Zurückziehen in die Natur und in mich selbst, tut mir unwahrscheinlich gut und ich finde dadurch einen Ausgleich. Diese ganze Einstellung verstärkte sich bei mir immer mehr, da ich durch meinen beruflichen Werdegang, leider viel Erfahrung mit kriminellen Menschen ect. machte. Diese Erfahrungen bewegten mich dazu, mich immer mehr und mehr zurückzuziehen und meine eigenen Wege zu gehen, auch meine berufliche Situation habe ich geändert. Ich versuche durch downshifting (Reduzierung der Arbeitszeit), Familienleben und die Leidenschaft zu unserem Hobby, mehr und mehr zu mir selbst zu finden. Kurz gesagt – ich  will nicht einsam sein, ich möchte nur in Ruhe gelassen werden und Abstand zu unsere schnelllebigen Konsumgesellschaft haben. Ich entwickle mich mehr und mehr zum Einzelgänger und versuche irgendwann komplett auszusteigen und in der Einsamkeit der Natur zu leben. Jedoch habe ich derzeit noch einige Aufgaben zu bewältigen und abzuschließen, aber der Tag wir kommen.

 

Pure EDC: Was treibt dich immer wieder an, um solche Touren wie im CZ & Bayrischen Grenzgebiet zu bewältigen?

Das Verschmelzen von Einsamkeit, Natur und auf dich alleine gestellt sein ist mein Antrieb. Ein Spruch von Khalil Gibran sagt sehr viel aus „Die Natur reicht uns die Hand der Freundschaft, sie lädt uns ein, damit wir uns an ihrer Schönheit erfreuen: doch wir fürchten ihre Stille und fliehen in die Städte, wo wir uns zusammendrängen wie eine Herde Lämmer beim Anblick des Wolfes“ Ja und bei mir ist es eben anders rum, ich fühle mich in Großstädten sehr unwohl und verspüre das Gefühl, so schnell wie nur möglich dort zu entfliehen. Genau aus dem Grund wohne ich in einem sehr kleinen Dorf auf dem Land. Ich fühle mich durch die pulsierende Lebendigkeit der Stadt gestört. Da ich beruflich öfters in Städten unterwegs bin, brauche ich den Ausgleich und genau das ist ein Grund, warum ich diese kleinen Abenteuer brauche. Ich benötige diese Auszeiten mit mir selbst auch, um über Probleme nachzudenken und Antworten zu finden. Ich bin ein ganz normaler Mann, dem seine Familie das wichtigste ist und habe auch verschiedene Schwierigkeiten im Leben, wie jeder andere auch. Auch auf großen Luxus verzichte ich bewusst und bevorzuge ein einfaches Leben, um mir viel Freizeit zu verschaffen um das zu machen was für mich wichtig erscheint. Macht die Augen auf, wir haben genug zu Essen, Trinken, Strom, Wohnung, PC, TV, ärztliche Versorgung, Sozialsystem, Auto, Fahrrad usw. Reicht das nicht um glücklich zu sein ? Ich sage ganz klar JA ! Manchmal ist „weniger“ mehr und daher habe ich viele weitere kostspielige Hobbys von mir an den Nagel gehängt, um mich voll und ganz auf das wesentliche zu konzentrieren.

Pure EDC: Welche EDC Ausrüstung hattest du auf deiner Tour dabei?

Natürlich habe ich immer ein kleines EDC mit am Mann, ob privat, dienstlich oder auf meinen Abenteuern. Dazu zähle ich ein Schweizer Offiziersmesser meines verstobenen Opas, ein Feuerstahl, Multitool, Pfefferspray, Stirnlampe und eine Uhr mit Wecker sowie eine kleine von mir zusammengestellte Survival Box. In dieser Box sind ein paar Wasserentkeimungstabletten, Angelzeug, selbstgebaute Jagtspitzen, geflochtene Schnur, etwas Tee, Zucker, Salz sowie Schmerztabletten und ein paar weitere Kleinigkeiten.

 

Pure EDC: Wovon hast du dich eigentlich auf deiner Tour ernährt?

Auf dieser Tour habe ich auf Tannenzapfensamen, Brunnkresse, kleinere Maden, junge Blätter der Birke, Tanne usw. zurückgegriffen. In dieser Jahreszeit wo ich diese Tour gemacht habe, ist es sehr schwierig etwas wirklich Kalorienreiches zu finden. Klar man könnte auf Kambium, Rizhome und Wurzeln zurückgreifen, auch Tierische Nahrung die man mit Fallen fängt, wären rein theoretisch möglich. Jedoch man kann auch mit sehr wenig Nahrung eine Tour machen, da der Körper eigene Reserven hat auf die er dann zurückgreift, nur trinken sollte man dann mehr als üblich. Ich bin öfters wirklich überrascht, was manch einer auf einer Overnighter Tour an Essbaren dabei hat. Unser Körper ist zäh und das über einen sehr langen Zeitraum, ob das gesund ist, ist dann eine andere Sache – ich behaupte -JA / Hungern über eine bestimmte Zeit ist def. gesund – aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Auf der von dir beschriebenen Tour, habe ich mir am Abend jedoch trotz allem eine EPA sowie ein Bier gegönnt, da ich der Meinung bin, es sollte auch viel Spaß machen und warum auch nicht. Ich habe bereits auch Touren gemacht, wo ich mir diesen Luxus nicht gegönnt habe.

Pure EDC: Was war für dich die größte Herausforderung auf dieser ganzen Tour?

Richtig herausfordernd, war auf dieser Tour nichts für mich, nur dieser Bruchschnee in dem man ständig einbricht war kräftezehrend. Alles andere schafft man ohne größere Probleme. Ich habe schon weitaus anspruchsvollere Touren absolviert und werde dies auch in den nächsten Jahren stetig steigern. Survival ist ein Lernprozess, den man durch viel Erfahrung über viele Jahre erlernen muss und jede „Survivaltour“ hat seine bestimmten Ansprüche auf die man sich einstellen muss – von daher lernt man nie aus.

 

Pure EDC: Du hast schon sehr viele Touren hinter dir aber was war bisher deine extremste Herausforderung die du erlebt hast?

Jede Tour hat seine speziellen Eigenschaften und Herausforderungen, wie z.B sehr heiße Tage, lange Regenphasen oder eisige Kälte im Winter. Ich hatte schon mit sehr hohen Temperaturen zu kämpfen, wo ich durch die Anstrengung und Dehydrierung starke Kopfschmerzen und Übelkeit durchleben musste. Des Weiteren habe ich auch mal aufgrund falscher Bestimmung so manch giftige Pflanze verspeist, wie z.B. die Schwertlilie welche ich mit Rohrkolben verwechselt habe. Aber ich habe es überlebt und bin einer weiteren Erfahrung bereichert worden. Genauso ähnlich erging es mir mehrfach mit verschmutztem Wasser, welches ich nicht 100% abgekocht habe, dies sind Lektionen die man sich merkt.

Auch bei starken Sturm mit Platz -und Dauerregen sowie Blitz und Donner hatte ich bereits Erfahrungen sammeln könne. Die für mich extremsten Erlebnisse, könnte ich im Winter erfahren. Ich habe bereits mehrfach bei weit über 20Grad- biwakiert und das ohne großen Luxus. Im Winter nutze ich meinen Winterschlafsack Carinthia Defence4, sowie eine BW Faltisomatte. Isolationsmaterial wie Moos, Blätter, Gräser usw. nutze ich dann als Jägerbett oder eben Matratze. Z.B. im Januar 2017 war ich alleine mit Schneeschuhen im Bayerischen Wald auf ca.1200 Meter unterwegs und habe mich dabei am Abend nicht um ein ausreichendes Lager und Equipment check bemüht. Diese Schludrigkeit musste ich mit einer wirklich eiskalten Nacht in einem defekten Schlafsack bitter bereuen. Ich war durchnässt und das Thermometer kletterte auf über 20C-, dazu noch fieser  Böhmischer Winterwind. Am nächsten Morgen nach durchfrorener Nacht, beschloss ich mir ein Schneeloch zu graben, was ich dann auch umgesetzt habe. In der Nacht in dem „Iglu“ hatte ich im Schnitt ca. 4C- was ich als erträglich empfand. Um noch ein weiteres Beispiel zu nennen was mich beinahe das Leben kostete, war in Norwegen im Rondane Hochgebirge, wo ich wie immer alleine unterwegs war und das im Hochalpinen Gebirge. Es war im Sommer Juli 2017 und ich war auf ca. 1800 Meter bei normaler Witterung unterwegs, jedoch vielen die Temperaturen in dieser Nacht weit unter null und ein für diese Jahreszeit ungewöhnlicher starker Schneefall setzte ein. Wie ich das Ganze mitten in der Nacht wahrgenommen hatte, beschloss ich diesen Schneesturm im Zelt auszuharren. Ich legte mich in meinen Jervenbag „Überlebenssack“, da ich nur einen Sommerschlafsack dabei hatte und es Stunde für Stunde kälter wurde. Nach einem Tag im Zelt, beschloss ich warum auch immer noch weiter aufzusteigen und das trotz Schneefall und wirklich extremen Wind. Ich wollte einfach weiter oben mein Lager errichten. Der Aufstieg war eine Tortur und ich war total durchnässt und bereits sehr schwach. Irgendwann hatte ich mich dazu im Schneesturm verlaufen und ich hatte  nun die Möglichkeit ein Notfalllager zu errichten und ein SOS GPS-Signal abzusenden. Jedoch erkannte ich die Gefahr und mir war bewusst, das ich noch eine Nacht hier oben höchstwahrscheinlich nicht überleben würde, also beschloss ich den Abstieg zur nächsten DNT Hütte zu beginnen. Der Abstieg gestaltete sich noch weitaus dramatischer als der Aufstieg, da ich ständig im Schnee eingebrochen sowie ausgerutscht bin und dabei durch das Gefälle mehrfach abrutschte und mich überschlagen hab. Auch Trinkwasser wurde ein Problem und ich griff auf Schnee zurück, dabei trank ich wegen dem großen Durst zu kaltes Wasser, was ein Auskühlen des Körpers beschleunigte. Ich war mir dessen bewusst, jedoch unterschätze ich dies. Wie ich dann nachts endlich die Lichter der Hütte sah, bin ich bereits auf allen vieren vorwärts gekrochen und musste alle paar Meter eine Pause machen und habe mich mehrfach übergeben. In der Hütte angekommen wussten die Norwegischen Bergretter sofort was sie machen mussten und haben mich freundlichst versorgt. Eine Einlieferung ins Krankenhaus war jedoch nicht nötig und ich setzte am nächsten Tag, noch etwas geschwächt meine Reise fort und durchquerte das Rondane Gebirge. Im weiteren Verlauf war ich im Dovrefjell Nationalpark unterwegs, wo mein Abenteuer weiterging. Auch hier erlebte ich einen schweren Sturm mit Gewitter weit ab der Zivilisation. In dieser Nacht habe ich mehrfach gebetet und war froh als dieser Sturm im Morgengrauen endete. Leider musste ich in den folgenden Tagen durch Einnahme von starken Antibiotika wg. meiner Borreliose Erkrankung und den daraus resultierenden  allergischen Reaktionen meine Reise abbrechen und kehrte durch Trampen zurück in die nächste Stadt, wo ich per Zug nach Oslo weiterreiste.

 

Pure EDC: Auf welchen Ausrüstungsgegenstand könntest du niemals auf einer deiner Touren verzichten?

Es gibt viele wichtige Ausrüstungsgegenstände welche man in der Natur draußen dringend benötigt. Aber wenn ich mir eines aussuchen müsste, wäre es nach der Stirnlampe und Feldflasche ganz klar mein Messer mit Feuerstahl. Ein Messer hat ein sehr großes Einsatzspektrum und gibt einen natürlich das Gefühl auf viele Situationen vorbereitet zu sein. Jedoch ist das eine wirklich schwierige Frage! Auch gutes Schuhwerk, verschiedene Bekleidungsschichten, Rucksack und weiteres Equipment ist draußen erforderlich um zu überleben.

Pure EDC: Welche Tour bzw. Herausforderung steht bei dir aktuell auf dem Plan und was sind deine Ziele für dich nächste Zeit?

Eigentlich wollte ich  im April 2018 in die Highlands, was ich jedoch durch einen Arbeitsplatzwechsels nicht umsetzen konnte. Meine ganzen Aktivitäten werden sich in nächster Zeit auf so genannte Microdaventure beschränken. Ich versuche jedoch im September oder Oktober 2018 ein paar Tage in die Karpaten zu ziehen, dieses seit Jahren ersehntes Ziel, sehe ich als eine der größten Herausforderungen für mich und werde mich sehr genau darauf vorbereiten. Alleine einen Teil der Karpaten zu durchqueren ohne Hilfe ist wahrlich kein Spaziergang und wird mir einiges abverlangen.

In den nächsten Jahren, möchte ich auch noch nach Altai, Sibirien, Finnland, Kanada usw. machen. Diese ganz großen Abenteuer werde ich aber erst machen wenn meine beiden Töchter dazu bereit sind, länger auf Papa zu verzichten, da meine Familie für mich oberste Priorität hat.

 

Pure EDC: Was würdest du Anfängern empfehlen, wenn diese eine mehrtägige Outbacktour in der Wildnis unternehmen?

Kauft euch gute Ausrüstung auf welche man sich wirklich verlassen kann. Wer billig kauft, kauft „meist“ zweimal. Was noch sehr wichtig ist, schaut das euer Rucksack so leicht wie möglich ist, das erreicht ihr wenn ihr viel draußen unterwegs seit. Wer viel unterwegs ist in der Natur, gelangt zu Erkenntnis was man wirklich braucht und was nicht. Passt euer Equipment individuell jeder Tour an und nehmt nicht immer alles mit, was ihr besitzt. Es kommt natürlich darauf an, welche Tour man unternehmen will. Ein Bushcrafter benötigt ein ganz anderes Spektrum an Equipment als der Survivalist oder Wanderer. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, man hat immer zu viel dabei, daher überlegt wirklich gut was man braucht und auch nicht.

 

Pure EDC: Möchtest du unseren EDC-Fans noch was mit dem auf dem Weg geben?

Klar – bitte haltet euch bei euren Abenteuern ob klein oder groß an die Spielregeln. Das soll heißen hinterlässt bitte keinen Müll, beachtet die Wegegebote und achtet die Flora und Fauna. Setzt euch da draußen mit Mutter Natur auseinander und mit euch selbst, lernt das Leben zu verstehen, denn die Wildnis hat viele Antworten auf eure Fragen parat. Ich möchte mich auch noch sehr herzlich bei meinen Followers sowie Abonnenten bedanken – Vielen Dank für euere Vertrauen und das Ihr mich mit Kommentaren, Tipps und Likes unterstützt. Ob und wie es mit meinem Aktivitäten „Facebook, YouTube & Instagram“  weitergeht in Zukunft werden wir sehen. Auch bei meinen Sponsoren möchte ich mich auf diesen Weg bedanken, sie ermöglichen mir, mit einer sehr hochwertigen Ausrüstung meine Touren zu bestreiten.

Erfahre mehr über Gerhard Eder und seinen einzigartigen Touren…

Dazu passend aus dem Shop

Ich bin ein Textblock. Klicken Sie auf den Bearbeiten Button um diesen Text zu ändern. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.